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EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE

DITTELSHEIM-HESSLOCH-FRETTENHEIM

2002 jährte sich zum  400. Mal, dass Anton Praetorius als erster und einziger evangelischer Pfarrer seiner Zeit in 1602 mit einem aufsehenerregenden Buch:* Gründlichen Berichts von Zauberey und Zauberern“ an die Öffentlichkeit wandte. Damit trug er seinen Anteil zur späteren Überwindung der Hexenverfolgung bei.

 

In 1592 wurde Anton Praetorius Pfarrer in der kurpfälzischen Gemeinde Dittelsheim. Hier beginnt eine wichtige Periode seines Lebens, denn hier veröffentlicht er seine ersten Publikationen und beginnt mit Vorarbeiten zu seinem Hausbuch für die christliche Familie. Zunächst besucht Praetorius 1593 das nahe gelegene Herrnsheim mit dem großen Schloss der Dalberger.

 

Praetorius wird Zeuge eines Rechtstags mit der Verlesung der Urgichten (Bekenntnis). Er schreibt darüber, dass "auch Männer und Weiber verbrannt worden. Für deren Endurteil wurden vom Rathaus aus einem Fenster solche schändliche, närrische und greiflich lügenhafte Dinge von teuflischer Gemeinschaft und Wettermachen öffentlich vorgelesen, dass mir das Zuhören wehe täte und ich mich für keusche Ohren schämen müsste, dieselben zu erzählen."

 

Es ist vermutlich der Prozess gegen Hesslocher Frauen am Ende des 16. Jahrhunderts, bzw.der Dalberger Hexenprozess. In 1629 erschien die vierte und letzte Auflage von „Zauberey und Zauberern“, posthum zu einem Zeitpunkt, als der 30jährige Krieg wütet, die Hexenverfolgungen in Deutschland ihre punktuelle Spitze erreichen und zahlreiche Bücher gegen den Hexenwahn erscheinen. Daraus geht hervor, dass der Widerstand in der Bevölkerung zusehends wächst und man die Mahnrufe des Praetorius wahrnimmt und erneut verbreitet.

 

Das Leben der Menschen wird ab 1560 bis 1700 durch die eingetretene Klimaverschlechterung (der sogenannten kleinen Eiszeit) bedroht. Das Jahr 1628 gilt als das Jahr ohne Sommer und war gleichzeitig das Jahr mit den höchsten Prozess- und Hinrichtungszahlen der Hexenverfolgung. Aufgrund der heftigen Dispute der Theologen aller Konfessionen über die Möglichkeit des Wetterzaubers durch Hexen ist die eindeutige Stellungnahme von Praetorius sicherlich ein entscheidender Grund, dass sein Bericht im Jahr 1629 neu gedruckt wird. Nach Praetorius kommt von Hexen kein Wetterschaden, wie alle Welt fürchtet. "Alles Wetter kommt von Gott zum Segen oder zur Strafe nach seiner Gerechtigkeit und mag den Hexen nichts davon zugeschrieben werden. Außerdem sind die Mittel, welche Hexen gebrauchen zum Wettermachen ganz und gar kraftlos."

 

Der Prozess gegen die Heßlocher Frauen.

 

(Aus Hexenprozesse in der Herrschaft Dalberg, von Ernst Merkel **) Seit 1593 kommt auch in Heßloch die Angst vor den Hexen auf. Besonders verschrieen war Philipps Mohrs Frau Margreth aus Abenheim. Bereits 1592 war sie in ein Beleidigungsverfahren wegen Zauberei verwickelt, das aber nicht weiter verfolgt wurde. Jetzt, 1599, steht sie im Mittelpunkt eines großen Hexenprozesses als besonders gefährliche Zauberin, ihr Name fällt bereits 1596, als die ersten Beleidigungsklagen gegen Frauen geführt werden, die sich gegen den Vorwürfe Zauberinnen zu sein, wehrten.

 

Die Haupthetzer gegen die Heßlocher Frauen saßen nicht im Ort, sondern in Hillesheim und Dittelsheim. Welche Nachteile die Verdächtigten im Dorf hatten, ergibt sich aus einein Brief des Philipp Mohr. Er beklagt sich, er und seine Familie wurden überall gemieden. Kein Mensch spreche mehr mit ihnen. Jedermann gehe ihm aus dem Weg, ja er habe niemand gefunden, der ihm beim Aufladen von Weinfässern geholfen habe.

 

In Hillesheim kam es zwischen Philipp und einigen Männern zu einer Schlägerei, als er seine Frau gegen die Beschuldigungen verteidigen wollte. Sein Sohn litt besonders darunter. Niemand beachtete ihn; auf der Straße wurde er als Kind einer „Zaubersen" bezeichnet, so dass der Vater befürchten musste, sein Kind würde „unsinnig", d.h. geisteskrank, werden.

 

Dieses Mal kam noch kein Verfahren zustande. Erst 1598/99 fand sich eine Gelegenheit gegen die Zauberei im Ort vorzugehen. Eine junge Frau, Henrich Veidts Crein, hatte eine Totgeburt. Ihr Ehemann hatte die Hebamme und Margarethe, Philipp Mohrs Hausfrau Magdalena, Faccius Geissen, Wittib und Ermel Rauff, Mauchenheimers Frau, zur Hilfe ins Haus gerufen. Die Kindsmutter scheint geisteskrank gewesen zu sein, wenn wir den Aussagen ihres Ehemanns glauben schenken und ihrer eigenen Bezichtigung, das Kind sei des Teufels, glauben sollen.

 

Die Klage der Frauen wird vom Schultheißen abgewiesen und ein Vorverfahren gegen die Kindsmutter und die Klägerinnen eröffnet. Am 21. 2. 1599 werden die Frauen unter Vorsitz von Johann Echzell, Dalbergischer Schreiber im Oberschloss zu Herrnsheim im Beisein von Pfarrer Herrmann, dem Schultheißen, Michell Hauck Niclas Zink und Wenz Trach, alle aus Heßloch, „gütlich und peinlich verhört“.

 

Catharina, Heinrich Feids Frau, wird gefragt, wie sie zur Teufelsbuhlschaft gekommen sei. Sie erzählt, der Böse sei zu ihr gekommen und habe ihr versprochen, „sie das Hinkel machen zu lehren“, sie müsse ihm aber ihr Kind geben. Dabei beschuldigt sie die anderen Angeklagten, besonders aber Margreth, Philipp Mohrs Frau, ihr geholfen zu haben. Auch sie werden gefoltert und bekennen alles, was der Examinator wünscht.

 

Am 10. April 1599 sind die Frauen immer noch in Haft, weil sie für die Gegenüberstellung mit neuen Hexen benötigt wurden. Nacheinander werden verhaftet: Agnes, Debolts Frau; Anna, Anton Belmann oder Balmanns Witwe, Catharina,Philipp Arnolds Frau; Crein, Henrich Veids (Feidts) Frau; die Kindsmutter; Ehl, Rauffen Hamers Frau; Elisabeth, Jörg Schmitts Frau die Bornheimerin, Ermel (Ermelgard), Rauff Mauchenheimers Witwe, Magdalena,Faccitus Geissen Witwe Margreth Rauffen Frau, Margreth, Philipp Mohrs Frau. Margreth, Reimann Webers Hausfrau und Margreth, Veltin Leiben Frau, werden am 12. 2. 1599 auf Besagung der Vorigen verhaftet. Margreth Philipp Mohrs Frau, entkam aus der Haft. Wie viele der Frauen verbrannt wurden, darüber sagt das vorliegende Material wenig aus. Als verbrannt werden genannt: Crein, Henrich Veidts Frau, deren Angehörigen sich in Monzenheim über die zu zahlende Summe von 110 fl. beschweren, Elisabeth, Jörg Schmitts Frau, und Ermel, Rauff Mauchenheimers Frau.

 

* Während das Wirken des katholischen Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld gegen den Hexenwahn auch vielen Protestanten bekannt ist, ist der Kampf des reformierten Pfarrers Anton Praetorius uns heutigen Menschen kaum bekannt. Schon drei Jahrzehnte vor Spee hat er sich vehement gegen eine Zeitströmung gewandt, die in ihrer Hysterie kaum zu überbieten war.

** Aus „Meine Heimat“ von Gustav J. Kotheimer und Heinrich Schol

 

 

 

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Mehr zu Anton Praetorius

www.anton-praetorius.de

Wir danken den SchülerInnen für ihre großartige Initiative.

2. v.l.: Pfarrer Andreas Schätzel, rechts: Pfarrerin Rita Schaab

SchülerInnen einer 10. Klasse des Wormser Rudi-Stephan-Gymnasiums haben gemeinsam mit ihrem Religionslehrer Pfarrer Andreas Schätzel daran erinnert, dass sich der Todestag des engagierten Dittelsheimer Pfarrers Anton Praetorius 2013 zum 400. Mal jährte.

Nach dem von den SchülerInnen gestalteten Gottesdienst wurde von zwei Schülerinnen am Dittelsheimer Pfarrhaus eine Gedenktafel enthüllt. Wir danken den SchülerInnen für ihre großartige Initiative!

Der kreiskirchliche Pfarrer Hartmut Hegeler i.R.  aus Unna bot im September 2013 im Erzählcafé  einen Überblick über Geschichte, Ausmaß und Gründe der Hexenprozesse.

Übrigens: Pfarrer Hegeler startete eine Initiative, die Opfer der Hexenprozesse postum zu rehabilitieren - mit großer positiver Bilanz. Besonders seine Briefe an den Oberbürgermeister von Köln und an Kardinal Meisner wurden vom Fernsehen und vielen Zeitungen aufgegriffen.

 

 

Die Initiative von

Pfarrer Hartmut Hegeler i.R.

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